
Bachem investiert über 500 Mio. Franken in neue Großanlage
Peptidboom treibt Kapazitätsausbau an: Der Boom therapeutischer Peptide verändert die Landkarte der pharmazeutischen Auftragsfertigung. Gerade kaufte die südkoreanische Samsung Bioepis die Schweizer Polypeptide Gruppe, nun meldet sich Bachem zu Wort. Mit einer Investition von mehr als 500 Mio. Schweizer Franken baut der Schweizer Spezialist für Oligonukleotide und Peptide, Bachem im Sisslerfeld bei Eiken, eine neue Produktionsanlage für großvolumige Peptide.
Der Boom therapeutischer Peptide verändert die Landkarte der pharmazeutischen Auftragsfertigung. Mit einer Investition von mehr als 500 Mio. Schweizer Franken baut der Schweizer TIDES-Spezialist Bachem im Sisslerfeld bei Eiken eine neue Produktionsanlage für großvolumige Peptide (TIDES steht für die beiden Produktionssegmente OligonukleoTIDES und PepTIDES). Die Entscheidung folgt einer langfristigen Liefervereinbarung mit einem nicht genannten Kunden und unterstreicht den anhaltenden Wettlauf um Produktionskapazitäten für die nächste Generation peptidbasierter Arzneimittel.
Die Produktion am neuen Greenfield-Standort soll 2030 anlaufen. Nach Angaben des Unternehmens umfasst die strategische Zusammenarbeit sowohl Vorabzahlungen für die Investition als auch langfristige Abnahmeverpflichtungen. Einzelheiten zum Kunden wurden nicht veröffentlicht.
„Die Nachfrage nach Peptiden als pharmazeutische Wirkstoffe ist nach wie vor hoch. Langfristige Liefervereinbarungen sind entscheidend, um unseren Kunden und deren Patientinnen und Patienten Versorgungssicherheit zu garantieren. Gleichzeitig ermöglichen sie einen gezielten Kapazitätsausbau“, sagte Bachem-CEO Anne-Kathrin Stoller. Die Vereinbarung stärke die Planungssicherheit des Unternehmens weit über das Jahr 2030 hinaus und ermögliche eine koordinierte Weiterentwicklung des gesamten Produktionsnetzwerks.
GLP-1 verändert den CDMO-Markt
Der Ausbau ist Ausdruck eines tiefgreifenden Strukturwandels. Mit dem Erfolg der GLP-1-Wirkstoffe gegen Adipositas und Diabetes hat sich die Nachfrage nach großvolumigen Peptidproduktionskapazitäten innerhalb weniger Jahre vervielfacht. Gleichzeitig rücken weitere peptidebasierte Wirkstoffe in den Bereichen Onkologie, Stoffwechsel- und seltene Erkrankungen in die klinische Entwicklung und auf die Märkte.
Die Folge ist ein weltweiter Ausbau der Produktionskapazitäten – und eine zunehmende Konsolidierung des Marktes. Erst Anfang der Woche kündigte Samsung Biologics die Übernahme des Schweizer Peptidherstellers PolyPeptide für rund 1,8 Mrd. US-Dollar an. Der südkoreanische CDMO will sich damit den Zugang zum schnell wachsenden Peptidsegment sichern und sein Biologika-Geschäft erweitern.
Parallel investieren etablierte Auftragsfertiger massiv in neue Anlagen. Lonza hatte bereits angekündigt, seine Kapazitäten für komplexe Biopharmazeutika – darunter Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) – weiter auszubauen und hob nach einem starken ersten Halbjahr 2026 seine Margenprognose an. Auch andere CDMOs erweitern ihre Produktionsplattformen, um von der steigenden Nachfrage nach hochspezialisierten Wirkstoffen zu profitieren.
DACH-Region etabliert sich als Peptidstandort
Die Schweiz zählt mit Bachem und PolyPeptide seit Jahren zu den weltweit führenden Standorten für therapeutische Peptide. Gleichzeitig baut CordenPharma seine Produktionskapazitäten für Peptide und Oligonukleotide massiv aus und positioniert sich als einer der wichtigsten europäischen CDMO-Anbieter für den boomenden GLP-1-Markt. Ergänzt wird das Ökosystem durch spezialisierte Unternehmen wie Numaferm in Düsseldorf, das auf biotechnologische Herstellungsverfahren für komplexe Peptide setzt, sowie Protevo BioTech in Planegg bei München, das neue Technologien für die Entwicklung und Produktion peptidbasierter Therapeutika entwickelt.
Neben den etablierten Herstellern entstehen damit neue Produktionsansätze, die langfristig helfen sollen, den steigenden Bedarf an Peptidwirkstoffen wirtschaftlicher zu decken. Denn während klassische Festphasensynthesen bei sehr großen Mengen zunehmend an ihre wirtschaftlichen Grenzen stoßen, gewinnen fermentative oder hybride Produktionsverfahren an Bedeutung.
Das ist nur der Bereich Pharma. Peptide sind jedoch auch zunehmend Bestandteil in Kosmetika und sowie so schon länger in Nahrungsergänzungsmitteln. Neben dem GLP-1, das durch die Diätspritze in aller Munde ist, kann auch das oral einzunehmende Anti-IL23-Peptid von Johnson&Johnson gegen Psoriasis, das von der FDA aktuell zugelassen wurde und nun noch auf grünes Licht der EMA wartet, zu einem „Kassenschlager“ werden.
Langfristige Lieferverträge sichern Wachstum
Für Bachem ist die nun angekündigte Investition zugleich Ausdruck eines Trends zu langfristigen Partnerschaften zwischen Pharmaunternehmen und CDMOs. Anstatt Produktionskapazitäten erst kurz vor einer Markteinführung aufzubauen, sichern sich viele Auftraggeber heute bereits Jahre im Voraus Fertigungskapazitäten und beteiligen sich teilweise an den Investitionskosten.
Mit der neuen Anlage im Sisslerfeld stärkt Bachem seine Position als einer der weltweit führenden Anbieter für TIDES – also therapeutische Peptide und Oligonukleotide. Angesichts der dynamischen Pipeline neuer Peptidtherapeutika dürfte der Wettbewerb um Produktionskapazitäten in den kommenden Jahren weiter zunehmen.

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